Fest der Übertragung des Hl. Hauses von Loreto
Widerlegung der gegnerischen Einwände von HH Spiritual Daniel OttoBuch von HH Spiritual Daniel Otto, Schellenberg
Wer hat Angst vor großen Wundern?
Alle Gründe, warum die Historie von der wunderbaren Übertragung des Heiligen Hauses von Nazareth nach Loreto glaubwürdig ist [Es folgt, mit freundlicher Genehmigung des Autors, das leicht gekürzte Kapitel 2.16, welches sich gegen die Theorie eines Transports der Steine des Heiligen Hauses von Nazareth durch eine Kreuzfahrerfamilie namens AngeloiEngel richtet. Das Buch ist 2024 im Seelenburg Verlag erschienen.
Das Bild weiter unten wurde für diesen Auszug farblich wiedergegeben; das Buch enthält 23 s/wAbbildungen. Am Ende dieses Auszugs kann das Inhaltsverzeichnis eingesehen werden.] seelenburg.com 2 2.16 Der letzte Versuch ungläubiger Kritik: eine Kreuzritterfamilie namens Engel Mit unserer langen Auflistung falscher Thesen von Gegnern und mit ihrer ausführlichen Wiederlegung durch die von Loreto-Freunden geleistete Verteidigung sowie den bis heute in die Augen springenden Fakten sollte ein möglichst großer Kontrast gegenüber der letzten hilflosen „Erklärung“ hergestellt werden, welche heutzutage für die Existenz des Heiligen Hauses in Loreto abgegeben wird: Es sei eine Kreuzritterfamilie gewesen mit Namen Angeli – was Engel heißt –, die das Heilige Haus in Nazareth vor den Augen der Pilger und Einwohner abgetragen, die Steine von Nazareth in tonnenschweren Wagenladungen über Land und dann per Schiff über das Meer nach Loreto transportiert und dort auf einer öffentlichen Straße wiederaufgebaut hätten, ohne ein Fundament zu legen, quer zum Straßenverlauf und teilweise über dem Boden schwebend, und die dabei völlig unerkannt geblieben wären.
Obwohl die harten Fakten von ungezählten Wundern umrahmt werden, über die zu schreiben ganze Bücher füllen würde, und obwohl die päpstlichen Gutheißungen auf diesen Fakten und Wundern beruhten, um sowohl die Echtheit des Hauses als auch seine wunderbare Übertragung zu bestätigen, und obwohl die ungläubigen Angriffe durch wissenschaftliche Untersuchungen glänzend widerlegt worden waren, wurden gegen Ende des 20. Jahrhunderts vermeintliche Beweise dafür aufgeboten, dass unter Aufrechterhaltung der Annahme der Echtheit des Hauses dennoch die Überlieferung der Engelübertragung abgetan werden könnte. In Wahrheit bedeutet die Theorie einer Familie Engel nichts anderes als den Nachbau der Santa Casa und widerspricht somit erheblich den wissenschaftlichen Befunden. So muss auch für diesen letzten Einwand gegen die Tradition festgehalten werden: Wer die himmlischen Engel als bloße „Legende“ aus der Loreto-Historie verbannt, der tastet das Heilige Haus selbst an. 3 Wichtiger Vertreter der Familie-Engel-Theorie ist der früher schon zitierte Kapuzinerpater Giuseppe Santarelli, Direktor der Allgemeinen Kongregation (Congregatio Universale) des Heiligen Hauses von Loreto, Autor zahlreicher Studien in den Bereichen Literatur, Kunst und Geschichte. Zur sogenannten Loreto-Frage hat er eine Reihe von Forschungsarbeiten veröffentlicht. Zum Glauben an die wunderbare Übertragung des Heiligen Hauses vermag er sich nicht aufzuschwingen. Stattdessen bezeugt er einen nicht minder großen Glauben an eine weit unwahrscheinlichere Entstehungsgeschichte der Loreto-Wallfahrt. [...]
Wer an den überlieferten Wunderbericht glaubt, so das Vorurteil, vertrete eine „starre und einseitige Theorie“; das Wunder kann nicht sein. Santarelli wärmt dann zum x-ten Male die längst widerlegten Einwände auf, die den (angezweifelten) Bestand des Heiligen Haues in Nazareth vor 1291 betreffen, sodann jene 1194 beurkundete (andere) Marienkirche in fundo Laureti sowie die (angeblich) erst mit Teramanus einsetzende Verbreitung des Wunderberichtes. Und dann hören wir von ihm: Die Gegenüberstellung der beiden Parteien führte zu keinem definitiven Entschluss. Die „Gegner“ konnten auch das Entstehen und den grossen Erfolg dieser aussergewöhnlichen Wallfahrtskirche, die sich nur auf ein „schönes Märchen“ stützen sollen, nicht erklären. Wie ist ferner die Tatsache zu erklären, dass auf dem Boden von Recanati, abseits der Ortschaft, wo zu jener Zeit nur Häuser aus Ziegelsteinen existierten, eine ländliche Kapelle aus Steinmauern – das Heilige Haus – gebaut wurde?1 Ganz nach dialektischer Manier stellt Santarelli zwei einander widersprechende Thesen gegenüber. Aber es gibt 1 Santarelli, Loreto. Geschichte und Kunst (1983), S. 7. 4 keine „zwei Thesen“! In Wahrheit gibt es eine gut und reichhaltig bezeugte Überlieferung, die mit ungenügenden Argumenten angezweifelt wird. Santarelli hat das Wunder aufgegeben, will aber die „aussergewöhnliche Wallfahrtskirche“ retten und dem Befund der „Steinmauern“ gerecht werden. Dazu bringt er 1983 Indizien, durch die seiner Meinung nach klar wird, dass es sich um einen Nachbau handelt, nachdem Kreuzfahrer die Steine mit Lastschiffen herbeigeschafft hätten. Diese Forschungsdaten unterstützen die Theorie, laut der das Heilige Haus von Menschen von Nazareth nach Loreto gebracht wurde, genauer gesagt, von Kreuzfahrern mit Lastschiffen, die vollgeladen von Ancona aus zum Heiligen Land fuhren und leer wieder zurückkehrten.2 Abgesehen davon, dass es wohl andersherum lauten muss (es mag ein Übersetzungsirrtum sein), muss hier einiges nachgefragt werden. Wie seriös ist jene neuere „Theorie“? Und wie belastbar sind jene „Forschungsdaten“? Können sie den harten Fakten entgegengesetzt werden, die wir im vorigen Kapitel betrachtet haben? Erfordert nicht im Gegenteil diese neue Theorie eine Vertrauensseligkeit jenseits der Fakten? Die von Santarelli angesprochenen „Forschungsdaten“ sind zunächst Bestätigungen der LoretoVerteidigung: Die von Pater Bellarmino Bagatti durchgeführten Ausgrabungen in Nazareth in den Jahren 1954-60 haben ergeben, dass seit dem Anfang des Christentums der Ort der Inkarnation – bestehend aus einer Höhle, die heute noch vorhanden ist, und einem Mauergebäude, das später verschwand – sorgsam gehütet und sehr bald, vielleicht sogar von den Verwandten Christi, in einen jüdisch-christlichen Kultort verwandelt wurde. Die Ergebnisse dieser Forschung widersprechen der 2 Santarelli, Loreto. Geschichte und Kunst (1983), S. 10. 5 überstrengen Theorie, laut der die materiellen Überreste der Inkarnation bereits in den ersten Jahrhunderten des Christentums verloren gingen.3 Wieviel Tinte wurde von Chevalier, Hüffer u. a. m. gegen die Loreto-Tradition verspritzt, weil es schon längst kein Heiliges Haus mehr in Nazareth gegeben haben sollte! Weil es dort überhaupt nie ein gemauertes Haus gegeben haben könne!
Das alles wird nun wie selbstverständlich zugegeben. Zugegeben werden des Weiteren einige Fakten: Die durch Alfieri, Grimaldi und Forlani in den Jahren 1962-65 durchgeführten archeologischen Ausgrabungen unterhalb des Heiligen Hauses bestätigen einige Daten aus der Überlieferung Loretos, wie z. B. das Fehlen eines eigentlichen Fundaments, die öffentliche Strasse, worauf das Haus „gestellt“ wurde und die Einschränkungsmauern, die die Bewohner von Recanati anfangs 14. Jh. erstellt hatten, usw.4 Leider wird aus diesen Fakten nicht der richtige Schluss gezogen: die Echtheit des Übertragungswunders. Die Fundamentlosigkeit mag zwar stimmen, auch der merkwürdige Standort (schräg) auf einer Straße – aber dies müsse irgendwie natürlich erklärbar sein. Und welche weiteren „Forschungsdaten“ stützen, laut Santarelli, die Theorie des Steinetransports durch Kreuzfahrer? Man würde nun erstaunliche Neuigkeiten erwarten, die den hergebrachten Fakten mindestens ebenbürtig zur Seite stünden: Ferner ergab eine philologische Analyse der literarischen Quellen aus dem 15. Jh., dass der Transport des Heiligen Hauses nicht auf dem Luftweg, sondern per See erfolgte. Ein von Teramano befragter Zeuge, ein gewisser Rinalduccio, bestätigte, dass der Grossvater 3 Santarelli, Loreto. Geschichte und Kunst (1983), S. 7-8. 4 Santarelli, Loreto. Geschichte und Kunst (1983), S. 8. 6 seines Grossvaters öfters erwähnte, gesehen zu haben, wie das Heilige Haus „wie ein Schiff auf den Wogen des Meeres“ ankam.
5 Plötzlich wird der Teramanus-Bericht als Quelle ernst genommen! Dies geschieht jedoch nur, weil man meint, aus ihm eine Version der Geschichte herauslesen zu dürfen, die ohne das Engel-Wunder der Haus-Übertragung auskommt. Teramanus hatte das Zeugnis des Paulus Renalducci berichtet, dass ein Ahne von dessen Großvater sah, wie die Engel die Santa Casa „über das Meer führten und sie in den genannten Wald stellten“. Die Formulierung „über das Meer führten“ konnte nun, gemäß Santarelli, mit Hilfe einer philologischen Analyse als Schiffsüberfahrt erkannt werden! Kaum zu glauben! „Philologische Analyse“ verstehe ich als bloßen Euphemismus für willkürliche Interpretation. Wie der Bericht des Teramanus im Ganzen völlig verdeutlicht, besteht das Verständnis des „über das Meer“ einzig und allein in einem Flug durch die Luft. Das geht auch aus der von Teramanus berichteten ersten Landestation in Tersat hervor, denn dem Bericht unterstellen, dass er für einen zweifachen Nachbau des Heiligen Hauses aus den Einzelsteinen Zeugnis gäbe, ist noch abwegiger. Sodann sah jener Ahne das Haus in einen Wald stellen. Auf welchem Wasserweg ist es denn von dort an seine heutige Stelle gekommen? Oder will die Philologie 95% des Teramanusberichtes auch weiterhin als Erfindung und bloße Legende verschreien und nur jenes eine Wort für historisch halten? Wer die darin enthaltene Willkür nicht entdeckt, mag auch den Glauben an das Übertragungswunder aufgeben. In der Tat geht Santarelli nicht redlich vor, wenn er versucht, die behauptete Schiffsreise des Heiligen Hauses zu beweisen. In dem Buch, welches zum ersten Mal die Theorie der Familie Angeli präsentiert, führt Santarelli eine 5 Santarelli, Loreto. Geschichte und Kunst (1983), S. 8-9. 7 Reihe von Bildern an, die seiner Meinung nach den Schiffstransport belegen.
6 Das wichtigste ist ein Gemälde aus dem 16. Jahrhundert (ca. 1582-85)7 in der Pinakothek des Heiligtums, dem Museo pontificio della Santa Casa (Abb. S. 321). Es berichtet von mehreren Geschehnissen, indem es außer einer reich mit landschaftlichen Details geschmückten Karte der Marken auch das östliche Mittelmeer mit der Küste Palästinas sowie die Adria mit den Küsten Kroatiens und Italiens zeigt, dazu noch Abbildungen der Gesandtschaften, die in Nazareth Erkundigungen einholten, nebst einigen Texttafeln mit Lauretanischer Litanei, einer die verschiedenen Orte oder Ereignisse erklärenden Legende und schließlich dem genauen Bericht der wunderbaren Übertragung. Das Bild ist betitelt mit den Worten: „DESCRIPTIO TRANSLATIONIS SANCTAE DOMUS BEATISSIMAE VIRGINIS E NAZARETH IN DALMATIAM ET INDE LAURETUM“ – Beschreibung der Übertragung des Heiligen Hauses der Allerseligsten Jungfrau von Nazareth nach Dalmatien und von dort nach Loreto“. Wie auf vielen anderen Bildern ist das von Engeln getragene Haus über den Wassern der Adria gemalt, weil es von der kroatischen Küste nach Italien transloziert wurde. Santarelli aber deutet den Transport über das Wasser als natürliche Schifffahrt durch das adriatische Meer. Um den Leser zu täuschen – nicht anders kann man dieses Vorgehen nennen –, gibt Santarelli in seinem Buch eine angesichts seines Detailreichtums zu kleine Abbildung des Gemäldes, zudem in schwarz/weiß – auf dem Umschlag (der Erstauflage) aber eine große farbige Darstellung desjenigen Gemäldedetails, das das Heilige Haus über der Adria zeigt. Die Täuschung liegt im framing. Auf dem groß 6 Vgl. Giuseppe Santarelli, La Traslazione della Santa Casa di Loreto. Tradizioni e ipotesi (1984), Congregazione Universale della S. Casa, Loreto, S. 206-224. 7 Floriano Grimaldi, L’iconografia del Sacello della Santa Casa, in: Grimaldi (ed.), Il Sacello della Santa Casa (1991), Cassa di Risparmio Loreto, Loreto, S. 203, datiert die Bildtafel ins 17. Jahrhundert. 8 gedruckten Bildausschnitt wird nämlich auch ein Schiff gut erkennbar, das der Maler offenkundig zur Illustration des Meeres wiedergegeben hat. Durch die Deutung aber, die Santarelli im Text ausbreitet, verbindet der Leser das Heilige Haus mit dem anbei befindlichen Schiff als Zeichen dafür, dass vom Maler die Übertragung des Hauses via Schiffstransport dargestellt würde: Es unterscheidet sich von den Druckgrafiken, weil es auch den engelhaften Transport des Heiligtums wiedergibt, mit der Madonna in einem Wolkenrahmen darüber. Daneben, im oberen Teil, ist das übliche Schiff mit Rudern abgebildet, das eine Kirche transportiert. [...]8 Umschlagbild von: Giuseppe Santarelli, La Traslazione della Santa Casa di Loreto. Tradizioni e ipotesi (1984); Detail des im Text vorgestellten Bildes aus dem Museo pontificio della Santa Casa. Lässt man sich vom framing nicht täuschen, erblickt man freilich auf dem Bildausschnitt auch die das Haus durch die Lüfte tragenden Engel. Doch der gelehrte Kapuziner bezeichnet nicht nur das Schiff als das „übliche Schiff“, 8 Santarelli, La Traslazione della Santa Casa di Loreto. Tradizioni e ipotesi, S. 218-219. 9 wie es auf Loretobildern zum Zwecke der Darstellung des Schiffstransports gezeigt zu werden pflege, sondern sagt dazu, dass es selbst „eine Kirche transportiert“. Auch hier: Kaum zu glauben, Santarelli verwechselt den Decksaufbau am Heck gleich noch mit dem Heiligen Haus! Zunächst: Wäre das Bild im Ganzen besser erkennbar abgedruckt worden, hätte der Leser sich leichter überzeugen können, dass noch acht weitere Schiffe über die Meeresfläche verteilt dargestellt sind (plus einige große Meerestiere), sämtlich zur Illustration des Meeres. Eines der Schiffe gleicht dem fraglichen und zeigt denselben Decksaufbau. Es handelt sich um eine Galeere, sei sie venezianischer oder spanischer Bauart. Die „transportierte Kirche“, wie Santarelli meint, ist jedenfalls der typische Aufbau am Heck solcher Galeeren, wie man sehr leicht prüfen kann, wenn man ein beliebiges Bild der Seeschlacht von Lepanto hernimmt. [...]
Ferner verschweigt Santarelli den auf der Bildtafel selbst geschriebenen Bericht, in dem vom Transport „durch das Werk der Engel“ gesprochen wird: „Angelorum opera“. Von daher verbietet es sich, dieses Bild für die neuartige Theorie eines Schiffstransportes zu beanspruchen. [...] Santarellis Interpretation aber desavouiert die LoretoTradition: Die manipulative Interpretation in den Büchern einiger derzeitiger Wissenschaftler jedoch, die nur Teilausschnitte der Gemälde abbilden, ohne die unmissverständlich eindeutige Bildlegende des Malers mit zu veröffentlichen, lässt den Leser glauben, dass man beide Hypothesen wirklich darstellen wollte: die der wundersamen Übertragung und die des menschlichen 10 Transports, wobei der zweiten natürlich mehr Glaubwürdigkeit zuerkannt wird als der ersten.9 Der (willkürlich gemutmaßte) Schiffstransport ist die Voraussetzung für die favorisierte Annahme eines von Menschenhand gemachten (Nach)Baus des Heiligen Hauses. Die durch wissenschaftliche Untersuchung erhärteten Fakten stellen sich solcher Theorie entgegen, nämlich Umstände, die nicht auf das Werk von Menschen rückführbar sind: der fundamentlose Bau auf öffentlicher Straße und unebenem Grund, die Übereinstimmung seiner Maße mit dem in Nazareth verbliebenen Fundament, der naturwissenschaftlich gesicherte Befund über die Steine und den bindenden Mörtel.
Doch wie „löst“ Santarelli diesen von ihm sehr wohl wahrgenommenen Widerspruch? Der [sic] Wiederaufbau des Hauses von Nazareth auf dem Hügel von Loreto, mit den Originalausmaßen, ohne eigentliches Fundament, und inmitten einer öffentlichen Strasse, wie zum Zeichen dafür, dass es von einer anderen Gegend stammte und anfänglich nicht dort gebaut wurde, könnte man aufgrund der Einzigartigkeit des Ereignisses und der übernatürlichen Hilfe „durch die Engel“ wirklich als Wunder bezeichnen.10 Mit Absicht hätten Menschen den Nachbau eines Hauses ohne Fundament auf unebenem sowie verbotenem Gelände gewagt „zum Zeichen dafür, dass es von einer anderen Gegend stammte“! Etwas Hilfloseres an „Erklärung“ für das außerordentliche Faktum der Fundamentlosigkeit des Hauses und seines Standortes ist kaum denkbar! Wer das glaubt, mag selig werden, aber er darf sich nicht auf Wissenschaft und gesunden Menschenverstand berufen. Was uns da zugemutet wird ist wundersamer als jede vor Engeln wimmelnde Legende. Mit „Engeln“ aber wird dieses „Wunder“ nur noch in Zusammenhang gebracht, weil 9 Catani, Das Wunder des Heiligen Hauses von Loreto, S. 72-73.. 10 Santarelli, Loreto. Geschichte und Kunst (1983), S. 11. 11 die Mönche und manchmal auch die Franziskaner von den Christen „Engel“ genannt wurden [und] im Verlaufe der Jahre die Kreuzfahrer, als „Engel“ dieser Welt betrachtet, von der blühenden Vorstellungskraft des Volkes mit den Engeln im Himmel verwechselt wurden.
11 Das ist freie Phantasie, blumig, fiorettihaft, aber keine Geschichtswissenschaft. Es ist Santarelli, der mit „blühender Vorstellungskraft“ entgegen den Fakten eine Nacht-und-Nebel-Aktion erfindet, in welcher Kreuzfahrer (von der Familie Angeli ist 1983 bei ihm noch nicht die Rede) tonnenweise Steine unbemerkt (so dass ihr Tun nicht überliefert wurde) auf öffentlicher Straße zu einem Haus aufrichten. Durch die Dunkelheit geschah es wohl, dass sie die Steine sogar auf Sträucher und über den Straßenrand hinaus setzten! Und all das geschah „zum Zeichen dafür, dass es von einer anderen Gegend stammte und anfänglich nicht dort gebaut wurde“!? Allein das Faktum, dass eine ganze Ecke des Hauses bis heute keinen Bodenkontakt hat widerspricht der Theorie eines von Menschenhand gemauerten Hauses. Doch auch dafür wurden absonderliche Theorien ins Feld geführt, wie wir oben sahen, Theorien von Unterschwemmungen, die, wären sie der Grund, längst zum Stabilitätsverlust der Mauern insgesamt geführt hätten. Und was ist mit dem Mörtel, dessen Material nachgewiesenermaßen nicht aus der italienischen Umgebung stammt, aber mit dem Mörtel, wie er in Nazareth angemischt wurde, identisch ist?
„Man glaubt gar nicht, wieviel man glauben muss, um ungläubig zu sein.“ Dieses Wort wird Kardinal Faulhaber von München (+1952) zugeschrieben, und es passt zu der Angst, die einige, viele sogar, vor dem großen Wunder der Übertragung des Heiligen Hauses nach Loreto haben. Der gut bezeugten und von unzähligen qualifizierten Männern der Kirche bestätigten Überlieferung will man keinen 11 Santarelli, Loreto. Geschichte und Kunst (1983), S. 11-12. 12 Glauben schenken, weil es „für einige Wissenschaftler auch heute mit Schwierigkeiten verbunden ist, den geschichtlichen Inhalt der Translation anzunehmen“, wie Santarelli in einer Neuauflage seines Kirchenführers bemerkt.12 Auch darin referiert er die Annahme des menschlichen Transports und Wiederaufbaus einzelner Steine, und man hört Santarelli geradezu erleichtert aufatmen, dass er nun seine Theorie mit den franziskanischen oder kreuzfahrerischen „Engeln“ aufbessern kann: Eine Familie namens Engel habe den Nachbau ins Werk gesetzt! Demnach soll ein neu aufgefundenes Dokument nahelegen, dass eine byzantinische Adelsfamilie mit Namen Angeli (griech. Angeloi) dafür verantwortlich gewesen sein soll. Man könne sie in mehrfacher Hinsicht mit Zeit und Ort in Verbindung bringen, zum Beispiel durch Münzfunde. Doch sei vorweggenommen, dass die Schlussfolgerungen keinesfalls zwingend sind. Somit bleibt bestehen, was bereits zur Unmöglichkeit der Nachbau-These faktisch festgestellt wurde. Vor allem stützt man sich auf eine Notiz über „vom Hause Unserer Lieben Frau, der Mutter Gottes, weggetragenen heiligen Steine“,13 die im Jahre 1294 – dem Jahr der (zweiten) Translatio – von Niceforo Angeli seiner Tochter als Brautgabe zu ihrer Hochzeit übergeben worden sein sollen. All dies beweist aber nicht den Nachbau des Heiligen Hauses durch diese Familie oder in ihrem Auftrag. Sollen wir wirklich annehmen, es handelte sich bei den erwähnten Steinen um die gesamte originale Bausubstanz, die in Loreto festgestellt wurde? Interessant ist der Vermerk, die Steine als Brautgabe verschenkt zu haben. In ähnlicher Weise wurde über das Erbe anderer kostbarer Reliquien Buch geführt, vor allem im Zusammenhang mit Stiftungen. Ähnlich wurden Partikel des Kreuzes Christi, Erde von Golgotha u. a. m. in Dokumenten der Zeit vermerkt. 12 Santarelli, Loreto. Führer durch Kunst und Geschichte (1996), S. 15. 13 „sanctas petras ex domo Dominae Nostrae Deiparae ablatas“; Catani, Das Wunder des Heiligen Hauses von Loreto S. 71. 13 (Unstimmig wäre allerdings, warum der nachweislich original-antike Altar aus Nazareth, der ja ebenfalls nach Loreto gekommen ist, keine Erwähnung gefunden haben sollte.) Hätte aber die Familie Angeli aus den (einzelnen) Steinen den (Nach)Bau der Santa Casa bewerkstelligt, dann hätte sie ihren Anteil an der Sache nicht verschwiegen und vor der Geschichte auch nicht verschweigen können. Vielmehr hätten sie das Protektorat über dieses Heiligtum übernommen, es mit Stiftungen versehen und sich dies zur Christenehre angerechnet. Uns aber wird die Annahme zugemutet, die Angeli hätten zunächst unbemerkt auf öffentlicher Straße das Heiligtum errichtet und es dann den staunenden Bewohnern der Umgebung überlassen, sich um den Erhalt des Heiligtums zu kümmern. Doch wie steht es überhaupt um die Glaubwürdigkeit dieses Dokumentes? Hören wir dazu Federico Catani: Die mutmaßliche Quelle, auf die sich die Unterstützer dieser Hypothese beziehen (denn es handelt sich um eine bloße Hypothese), ist das sogenannte Chartularium Culisanense, eine Sammlung von Dokumenten verschiedener Art, von denen man kein Original vorliegen hat, sondern nur eine (echte oder nur angenommene) Kopie von 1859, die derzeit in der Bibliothek der Mönche von Montevergine (Avellino) aufbewahrt wird. Dieses Dokument ist laut der Veröffentlichung von Prof. Andrea Nicolotti, auf die später noch eingegangen wird, eine historische Fälschung, die im 19. Jahrhundert von einer Familie aus Culisano (Palermo) mit dem Nachnamen De Angelis erstellt wurde, um den Eindruck zu erwecken, dass sie mit ihrem Familiennamen von dem Fürstengeschlecht der „Angeli“ von Epirus abstammen. In dieser Fälschung wird auf Folio Nr. 181 die Mitgift aufgelistet, die Ithamar, Tochter des Despoten von Epirus, Nikephorus I. Angeli-Comnenus, anlässlich ihrer Hochzeit mit Philipp von Anjou, Prinz von Taranto und Sohn des Königs von Neapel, Karl II. von Anjou, die im Jahr 1294 stattfand, in die Ehe einbrachte. Zu diesen Besitztümern gehörten die „heiligen Steine“ aus 14 dem Hause der Muttergottes („sanctas petras ex domo Dominae Nostrae Deiparae ablatas“) und eine mit ihrem Bildnis mit dem Jesuskind auf dem Arm bemalte Holztafel.14 In seinem in Briefform verfassten Buch „Die historische Wahrhaftigkeit der wunderbaren Übertragung des Heiligen Hauses von Nazareth nach Loreto“ von 2004 sagt der Religionslehrer Giorgio Nicolini aus Ancona zu seinem Adressaten Federico, dass ich „DEN WERT DIESES DOKUMENTS RESOLUT DEMENTIEREN KANN“ (d. h., von Folio Nr. 181 des „Chartularium culisanense“) und für Dich mit äußerster Offenheit dessen „ABSOLUTE HALTLOSIGKEIT“ in Bezug auf die „Lauretanische Frage“ feststellen kann! 15 Prof. Nicolini, den ich in Loreto und Ancona treffen durfte, befasst sich seit Jahrzehnten akribisch mit Loreto und scheut vor deutlichen Worten nicht zurück. Im Anhang III dieses Buches gebe ich ein Interview mit ihm wieder, das er 2019 gegeben hat. Seine Ablehnung des Dokumentes mit der Blattnummer 181 aus dem Chartularium Culisanense („Aktensammlung aus der Stadt Collesano“) betraf noch weniger das Papier selbst als die Schlussfolgerungen, die bzgl. Loreto daraus gezogen wurden. Steine mögen von Kreuzfahrern aus Nazareth zum Andenken mitgenommen worden sein, aber daraus ergibt sich keineswegs der Transport des ganzen Heiligen Hauses, dessen faktische Umstände mit der Theorie des menschlichen Wiederaufbaus nicht in Übereinstimmung zu bringen sind. Catani nennt 2022 das fragliche Dokument eine Fälschung, wobei er sich auf die wissenschaftliche Prüfung jener aus drei Dokumenten bestehenden Aktensammlung 14 Catani, Das Wunder des Heiligen Hauses von Loreto S. 70-71. 15 Giorgio Nicolini, La veridicità storica della miracolosa traslazione della Santa Casa di Nazaret a Loreto (2004), Ancona, S. 40. Übersetz. v. mir. 15 durch Professor Andrea Nicolotti beruft.
Der Ordinarius am Institut für Geschichtswissenschaft an der Universität von Turin hat das Chartularium culisanense eingehend untersucht und im Jahre 2012 seine Ergebnisse veröffentlicht. Im Hintergrund der Dokumente stünde der Versuch einer Familie De Angelis, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Collesano ansässig war, sich als Nachkommen der byzantinischen Familie der Angeli-Comnenus-Despoten von Epirus darzustellen und daraus vorteilhafte Ansprüche ableiten zu können. Nicolotti kommt zu dem Schluss, dass es sich bei zwei der drei Papiere eindeutig um Fälschungen handelt. Für das dritte Dokument mit der Nr. 181 will er sich zwar nicht letztgültig festlegen, gibt aber auch hier Gründe an, welche die Unechtheit nahelegen. Wie Nicolini hält auch er die Verwertung des Folio 181 bzgl. der LoretoFrage für problematisch und anfechtbar: Das Merkmal der Falschheit von mindestens zwei der erhaltenen Dokumente des Chartulariums und die falsche Genealogie der Familie, die es bewahrt hat, sind sicherlich kein Argument für die Echtheit von Folio 181. [...] Sicherlich muss meiner Meinung nach die im Wesentlichen falsche Natur der Geschichte und der von der Familie De Angelis erstellten byzantinischen Dokumente dazu führen, dass man stark an der Glaubwürdigkeit aller von ihnen anerkannten Quellen zweifelt.16 Von der (mittelalterlichen) Familie Angeli geprägte Münzen, die im Boden des Heiligen Hauses gefunden wurden, sind auch kein Beweis für einen von ihnen durchgeführten Wiederaufbau in Loreto, weil sie ebenso gut als Pilgerandenken dort hinterlassen worden sein können. Sieht man von römischen Münzen ab (an dem Ort war einst ein Gräberfeld) setzt die Zeit, von welcher an wieder Münzen entdeckt wurden, erst am Ende des 13. Jahrhunderts an, 16 Andrea Nicolotti, Su alcune testimonianze del Chartularium Culisanense ... (2012); Homepage - Giornale di Storia. Vgl. das gesamte Dokument in deutscher Übersetzung im Anhang IV. 16 aber das spricht vor allem für das rasche und plötzliche Einsetzen einer Wallfahrt. Darunter sind Münzen des mit der Familie Angeli verwandten Guido de la Roche, der von 1287 bis 1308 Herzog von Athen war.17 Doch das kann nicht als Beweis für den Nachbau des Heiligen Hauses durch Menschen hergenommen werden. Nichts spricht gegen einen Loretobesuch von pilgernden Angehörigen der Familie Angeli in den Jahren 1295 bis 1308, aber ihre Münzen sind nicht zwingend als hinterlegte Zeugnisse für den mutmaßlichen Wiederaufbau zu erachten. Santarelli aber spricht nicht zuletzt aufgrund dieses Fundes zweier Münzen von „einer sicheren Verbindung mit der Familie Angeli“, und er wagt sogar hinzuzusetzen: Heute weiß man, dass in den vergangenen Jahrhunderten oft Münzen in die Fundamente der Gebäude, insbesondere in heilige Stätten, gelegt wurden, die nicht nur die genaue Zeit ihres Erbaus [sic] mitteilen, sondern auch von den Erbauern zeugen sollten.18 Ach, die „Erbauer“ Angeli hätten also doch Zeugnis für ihren Bau abgeben wollen? Den sie ohne Not auf verbotenem Terrain aufgeführt haben?! Indem sie Münzen in ein nicht gelegtes Fundament geworfen haben?!? Und trotz allem weiß die Geschichte nichts, aber auch gar nichts von ihrem heiligen Werk? Es ist absurd.
Wenn wir dennoch mit Catani noch einmal die Echtheit jenes Dokumentes theoretisch annehmen wollen, wird die Sache für die Übertragungsleugner nicht besser: Auch wenn man die Echtheit des oben genannten Dokumentes einräumen wollte, was wir nicht tun, bedeutet die Aussage, dass einige Steine „vom Heiligen Haus“ weggenommen wurden, noch keineswegs, dass sich dies auf das Heilige Haus von Nazareth bezieht, denn die Hl. Jungfrau Maria lebte während ihres Lebens in ver- 17 Vgl. Catani, Das Wunder des Heiligen Hauses von Loreto S. 127. 18 Santarelli, Loreto. Geschichte und Kunst (1983), S. 14-15. 17 schiedenen Häusern (in Jerusalem, Ägypten und Ephesus). Jedenfalls widerspricht das Dokument selbst der Interpretation, dass das gesamte Heilige Haus transportiert wurde, da es nur von „weggenommenen heiligen Steinen“ spricht: also nicht vom ganzen Heiligen Haus, sondern nur von höchstens einigen Steinen davon! Dagegen befindet sich in Loreto das ganze Heilige Haus und nicht „einige Steine“ desselben. Darüber hinaus wurde immer [von der Überlieferung] gesagt oder es wurde jedenfalls so verstanden, dass die intakten Mauern von Mariens Kammer Nazareth verlassen hätten und nicht einzelne Steine.19 Einmal mehr erweist sich die Leugnung des Übertragungswunders als Trittbrett für das Unterminieren der Echtheit des Heiligen Hauses, denn aus einzelnen echten Steinen wird kein originales Haus! Und weiter spricht Catani widersprüchliche Punkte an: Demnach würden viele Fragen unbeantwortet bleiben: Wie konnte Nikephorus I. Angeli-Comnenus nach seinem Belieben über eine so bedeutende Reliquie verfügen, die sich doch damals noch unter der Verkündigungsbasilika befand? Hatte da keine örtliche kirchliche Autorität dagegen etwas einzuwenden? Wenn man sodann auch davon ausgeht, dass diese Maßnahmen zum Abtransport getroffen wurden, um das Heilige Haus vor islamischer Gewalt zu bewahren – die Eroberung von Akkon fand 1291 statt –, warum landeten diese Güter der Mitgift dann im Gebiet von Loreto, das damals zum Kirchenstaat gehörte? Warum ist nichts über diese Reise bekannt, die sicherlich viel Geld, Zeit und Vorbereitung gekostet hätte? Die am weitesten verbreitete Hypothese spricht von einem Geschenk an den Papst; dafür findet sich jedoch keine solide Grundlage. Denn obwohl es möglich war, große Mengen von schweren Steinen auf dem Seeweg zu transportieren 19 Catani, Das Wunder des Heiligen Hauses von Loreto S. 71. 18 (jedoch kein ganzes Haus!), lässt sich der Grund für den fünfmaligen Umzug nicht erklären und vor allem nicht, wie es dann möglich war, die Reliquie zu rekonstruieren mit all den wirklich außergewöhnlichen Merkmalen – ohne Fundamente, mit nahöstlichem Mörtel, mit Material, viele Jahrhunderte alt, positioniert auf einer öffentlichen Straße, wobei Teile der Mauern über einem Hohlraum hängen usw. –, über all das wir bereits gesprochen haben.20 Es sind diese unumstößlichen Tatsachen, die dem Menschen bis heute helfen, dem getreulich überlieferten Bericht von der wunderbaren Übertragung des Heiligen Hauses von Nazareth durch die heiligen Engel Glauben zu schenken. Von unserer Seite muss die Unglaubhaftigkeit betont werden, dass bei einem Abbau des Hauses in den erhaltenen stattlichen Ruinen der Oberkirche von Nazareth durch Kreuzfahrer (wer hätte da vor Ort ruhig zugeschaut?), bei dem anschließenden mühseligen Transport ans Meer und der Verschiffung, dem Entladen, Weitertransport und schließlich dem Neuaufbau in Loreto – dass bei einem Unternehmen, welches so viele Menschen erfordert und also Mitwisser hervorbringt, kein Indiz für diese glaubensstarke und heldenhafte Familie in der Überlieferung zu finden sein soll. Sollte zu der logistischen Meisterleistung am Ende doch wieder ein wunderbares Walten angenommen werden? Jedes Indiz, das im Zusammenhang mit der Familie Angeli herbeigeschafft wird, kann ganz anders erklärt werden und berechtigt nicht zu der heute gegebenen Schlussfolgerung. Vor allem ist zu betonen, dass mit einer Familie Angeli die näheren Umstände – im wahrsten Sinn des Wortes: wie das Haus in Loreto steht – völlig unerklärlich verblieben, ja eine Zumutung darstellen würden für den Verstand, der Wissen erlangen will aufgrund von Ursachen: 20 Catani, Das Wunder des Heiligen Hauses von Loreto S. 71-72. 19 scientia est cognitio certa per causas. 21 Eine Familie Angeli stellt keine vom denkenden Menschen nachvollziehbare Ursache für den Originalbestand an Steinen und für das wundersame Stehen der Santa Casa und die Integrität seiner Mauern sowie den originalen Mörtel zwischen den Steinen dar.
Ein in der Heiligen Schrift vielfach bezeugtes wunderbares Eingreifen von Engeln jedoch stellt sich dem Denken nicht entgegen, sondern wird als über die Naturdinge hinausgehende Möglichkeit wahrgenommen. Wer aufgrund (angeblich) urkundlich bezeugter Steine des Hauses von Nazareth im Besitz einer italienischen Familie Angeli im 13. Jahrhundert meint, das wunderbare Wirken heiliger Engel bei der Übertragung des Hauses nicht akzeptieren zu können bzw. müssen, versündigt sich zwar nicht gegen den Glauben, insofern dieser die Annahme der Loretotradition nicht umfasst – wohl aber verbiegt er den gesunden Menschenverstand. An den „magnalia Dei“, den „Großtaten Gottes“ (Apg 2,11), zerschellen seit je die Gedanken und Pläne der Menschen. Zu Heliodor, dem durch Gottes Macht geschlagenen Tempelräuber, wurde von den Engeln, die dieses Werk vollbrachten, gesagt: „Du aber, von Gott gezüchtigt, verkünde allen die Großtaten Gottes und seine Macht!“ (2 Makk 3,34) 21 „Wissenschaft ist Erkenntnis der Dinge aufgrund ihrer Ursachen“.