Heimatprimiz im Alten Ritus: Nicht mehr Knecht, sondern Freund
Nachrichten 05/08/2012 05:51:58
Am 30. Juni 2012 war Francesco Riegger zusammen mit drei anderen Diakonen in Wigratzbad (bei Wangen im Allgäu) von Erzbischof Wolfgang Haas zum Priester geweiht worden. Dort befindet sich das Seminar der Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP), in dem die Seminaristen sieben Jahre lang auf das Priesteramt vorbereitet werden.
Am Sonntag, 29. Juli 2012, zelebrierte Francesco Riegger zum ersten Mal ein feierliches Hochamt im Villinger Münster. Nach der Begrüßung durch Dekan Josef Fischer erläuterte P. Jérôme Bücker FSSP einige Unterschiede zwischen der Zelebration in der außerordentlichen Form des römischen Ritus und der Form, wie sie in den meisten Gemeinden heute praktiziert wird: Die gemeinsame Gebetsrichtung von Priester und Volk zu Gott hin; den Empfang der heiligen Kommunion knieend und auf die Zunge; sowie Latein als Liturgiesprache, die sowohl weltweit alle Katholiken verbindet, die diesen Ritus verwenden, als auch eine Verbindung schafft mit den Katholiken und unter diesen v.a. mit den Heiligen der mehr als 1000 zurückliegenden Jahre, die im Wesentlichen dieselben Gebete gesprochen und dieselben Melodien gesungen haben wie der Primiziant und die Gläubigen am 29. Juli 2012 im Villinger Münster.
Pünktlich um 9.30 h zog eine lange Reihe von Ministranten und Klerikern durch den Mittelgang der mit ca. 350 Gläubigen gut gefüllten Münsterkirche zum Altar. Ganz am Ende schritt der Primiziant, begleitet vom Presbyter Assistens, P. Christoph Fuisting FSSP, Kaplan Marc Kalisch als Diakon und Diakon André Hahn als Subdiakon. Nach dem „Asperges“ trat Pater Riegger zusammen mit seiner Assistenz an die Stufen des Altars, um die Vorbereitungsgebete zu sprechen.
Während des Stufengebets sang die aus Stuttgart angereiste Frauen-Schola den Introitus: Ecce, Deus adjuvat me, et Dominus susceptor est animae meae („Sieh, Gott ist mein Helfer und der Herr der Hort meiner Seele“). Für die Gläubigen lagen zweispaltige Faltblätter mit den wichtigsten lateinischen Texten und ihrer Übersetzung ins Deutsche aus. Auf diese Weise war es jedem, der wollte, möglich, die Gebete mit zu verfolgen. Man konnte aber auch die Zeremonie selbst wirken lassen, man konnte eintauchen in das Gesamtkunstwerk der heiligen Riten – dazu gehören nicht nur die Worte und Gebete, sondern auch die Musik, der Weihrauch, die Kerzen, die Gebärden, die „liturgische Choreographie“.
„Das Villinger Münster schien förmlich aufzuleben während der Feier der Liturgie, für die es gebaut wurde“ – so formulierte es eine Meßbesucherin nach dem Ende des Hochamts. Nach der gesungenen Verkündigung des Evangeliums betrat der Primizprediger, P. lic. Theol. Sven Conrad FSSP, die Kanzel. Für die meisten überraschend verlas er ein Dekret der Apostolischen Pönitentiarie, in dem allen Gläubigen, die die Primizmesse mitfeierten, unter den gewöhnlichen Bedingungen ein vollkommener Ablaß gewährt wurde. In seiner Predigt ging Pater Conrad auf den Primizspruch des Neupriesters ein: „Nicht mehr Knechte, sondern Freunde“.
Das Zitat stammt aus dem Johannesevangelium - dort steht: “Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.” Der heilige Thomas von Aquin weist in diesem Zusammenhang auf ein Wort des griechischen Philosophen Aristoteles hin: „Amicus est alter ipse.“ - „Der Freund ist ein anderes Selbst.“ Nach katholischer Lehre ist der Priester ein „alter Christus“ – ein „anderer Christus“ und darf darum „bei der Spendung der Sakramente mit dem ‘Ich Christi‘ sprechen: ‚Das ist mein Leib, mein Blut. Ich spreche dich los von deinen Sünden,‘“ erläuterte Pater Conrad bei der Primizpredigt weiter. Obwohl für viele der Mitfeiernden die Kanonstille ungewohnt war, war der Kirchenraum nach dem „Sanctus“ von andächtigem Schweigen erfüllt.
Das ausliegende Faltblatt enthielt eine Hinführung, die das Verständnis erleichterte: „Nach diesem festlichen Gesang [=Sanctus] wird der eigentliche Canon Missae, das im Wesentlichen immer gleiche eucharistische Hochgebet, vom Zelebranten in Stille vollzogen. Symbolisch will dies eine Art Schleier sein, der sich über den Altar breitet, um deutlich zu machen, daß nun unsagbar Großes geschieht.
Die Stille wird so zu einem Zeichen für das Wirken des Heiligen Geistes, durch dessen Kraft der Priester in Person Christi das Brot in Christi Fleisch und den Wein in sein Blut verwandelt, wodurch das Kreuzesopfer auf dem Altar gegenwärtig wird.“ Nach dem Schlußsegen und dem Gesang des „Te Deum laudamus“ – „Großer Gott, wir loben Dich“ - waren alle eingeladen zum Stehempfang im Münsterzentrum. Viele nutzten die Gelegenheit, dem Neupriester zu gratulieren und sich über das gerade gefeierte levitierte Hochamt im Villinger Münster auszutauschen.
Auch Dekan Fischer gratulierte im Rahmen einer kleinen Ansprache und überreichte dem Primizianten ein Geldgeschenk als Beitrag zum Kauf eines liturgischen Gewands oder Geräts. Mit einer abendlichen Andacht, bei der Pater Riegger den Einzelprimizsegen spendete, endete der festliche Tag in Villingen.
Bilder der Primiz unter: http://www.pro-missa-tridentina.org/galerie/galerie_39.htm












