Trier: Erste Diözesansynode Deutschlands seit Jahrzehnten
Nachrichten 30/06/2012 09:08:50
Bischof Ackermann sagte, es habe in den letzten Jahren einerseits viele einschneidende Veränderungen in der Struktur und Organisation des Bistums gegeben, andererseits habe das Bistum das „schöne Glaubensfest“ der Heilig-Rock-Wallfahrt erlebt. Sowohl bei der Wallfahrt als auch in den Veränderungsprozessen habe es eine breite Beteiligung der Gläubigen im Bistum gegeben, dadurch sei das gemeinsame Bewusstsein der Christen im Bistum gestärkt worden.
„Zugleich spüren wir aber auch, dass es darüber hinaus einer intensiven inhaltlichen Vergewisserung bedarf über die Fragen: Wie wollen wir persönlich und gemeinsam unseren Weg des Glaubens im Bistum Trier gehen in den sich rasant ändernden Rahmenbedingungen des 3. Jahrtausends? Wie können wir uns neu inspirieren lassen von der Botschaft Jesu Christi, damit sie unser Leben noch stärker prägt? Oder noch einmal anders - in der Sprache der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. - gefragt: Wie können wir uns in neuer und vertiefter Weise evangelisieren lassen und evangelisierend wirken?“ sagte Ackermann.
Von einer Synode verspreche er sich eine solche Vergewisserung. Synoden seien seit den ersten Jahrhunderten im Kirchenrecht vorgesehen als eine Form intensiver Beratung für den Bischof. Ackermann erinnerte an das Zweite Vatikanische Konzil, das vor 50 Jahren begonnen hat, und an die als „Würzburger Synode“ bekannte Gemeinsame Synode der deutschen Bistümer (1971-1975).
Zuvor hatte Bischof Ackermann mit Petrus und Paulus die Heiligen des Festtages in den Mittelpunkt seiner Predigt gestellt. Paulus verkörpere in der Kirche das Missionarische, den Drang zum Neuaufbruch, erklärte der Bischof. „Petrus steht dagegen vor allem für die Rückbindung an den Ursprung der christlichen Botschaft und die Autorität derer, die Jesus in seinem Lehren und Wirken von Anfang an begleitet haben.“ Daraus ergebe sich eine Spannung, die die Kirche bis auf den heutigen Tag spüre: „Da ist einerseits der Impuls, überkommene Grenzen auf Neues hin zu überschreiten, und andererseits die Treue zum Ursprung und zum Überlieferten.“
Gerade diese Spannung mache aber einen ganz wesentlichen Teil der Lebendigkeit der Kirche aus, solle sie doch die ihr ein für alle Mal anvertraute Botschaft immer wieder neu in die wechselnden Gegebenheiten von Welt und Geschichte hinein übersetzen. „Der heutige Festtag mag uns insofern beruhigen, als er uns daran erinnert, dass Herausforderungen, ja Spannungen und Auseinandersetzungen die Kirche von Anfang begleiten und dass zu allen Zeiten um den richtigen Weg der Glaubensgemeinschaft gerungen werden muss.“ Daher sei das Hochfest auch ein geeigneter Tag, um die Synode bekanntzugeben. Ackermann bat die Gläubigen, den Vorbereitungsweg auf die Synode mit ihrem Gebet zu begleiten, „damit wir in petrinischer Treue zum Ursprung und zur Kirche als ganzer und zugleich mit paulinischem Freimut gestärkt auf dem Weg des Glaubens in unserem Bistum weitergehen“.
Themen und ein konkreter Zeitplan für die Synode stehen noch nicht fest. Die Vorgaben und Regelungen zu einer Diözesansynode sind im kirchlichen Gesetzbuch festgelegt. Der Bischof wird zunächst eine Vorbereitungskommission einrichten, die unter seiner Leitung tagen und arbeiten wird. Es wird ein Synodensekretariat geben, das alle mit der Synode verbundenen Vorgänge koordiniert. Zusammensetzung und Ablauf müssen in einer Synodenordnung geregelt werden.
Nur der Diözesanbischof kann eine Synode einberufen, er legt letztlich auch fest, welche Fragen oder Themen erörtet werden. Eine Diözesansynode ist kein Parlament im Sinne einer Legislative, da der einzige Gesetzgeber in der Diözese der Bischof ist und somit die Beschlüsse auch nur durch seine Autorität gelten. Allerdings ist die Diözesansynode eine „Versammlung des offenen Wortes“, in der darauf zu achten ist, dass jeder Teilnehmende zu Wort kommen kann. Laut kirchlichem Gesetzbuch soll sich in der Versammlung „der ganze Teil des Gottesvolkes, der die Diözese ausmacht, wirklich widerspiegeln“. Davon ausgehend wird die Trierer Synode voraussichtlich etwa 250 Mitglieder haben. Die letzte Diözesansynode im Bistum Trier fand 1956 statt und brachte die „Synodalstatuten des Bistums Trier“ hervor, die von Bischof Matthias Wehr 1959 in Kraft gesetzt wurden und teilweise bis ins Jahr 2000 Geltung hatten.











